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Betroffene suchen vor allem Antworten auf die folgenden Fragen:

Schmerzen entstehen infolge eines Unfalls,
bei einer Verletzung oder manchmal auch ohne erkennbare Ursache.

Woher stammen die Schmerzen?

Für die Antwort auf diese Frage sind die zwei Perspektiven der Anatomie und der Medizin maßgeblich. Die Anatomie betrachtet Schmerzen und deren Ursachen aus struktureller Sicht. Es geht darum, Sehnen, Knochen, Muskeln oder Nerven zu identifizieren, die die Schmerzen verursachen. Für die Diagnose verwendet der Arzt oder Physiotherapeut bildgebende Verfahren. Kann eine Beschädigung einer anatomischen Struktur eindeutig festgestellt werden, spricht man von spezifischen Beschwerden. Diese werden weiter differenziert.

Die Perspektive der Anatomie

Im Fall von mild spezifischen Schmerzen kann die Körperstruktur selbstständig ausheilen. Eine Diagnose auf Basis der klassischen Anatomie ist möglich. Für die Heilung der betroffenen Struktur ist in der Regel eine konservative Strategie angebracht. Auch hier ist eine medizinische Diagnostik im Rahmen der klassischen Anatomie möglich. Eine konservative Behandlung ist aber nicht förderlich. Der Körper ist nicht in der Lage, die Beschwerden komplett selbstständig zu regenerieren. Eine Operation der lädierten Struktur ist oftmals notwendig.

Zur Unterscheidung spezifischer und unspezifischer Schmerzen wird die 24-Stundenregel angewendet: 24 Stunden nach passiver Bewegung oder funktionellen Übungen gibt der Patient dem Therapeuten eine Rückmeldung über den Zustand des betroffenen Körperparts. Erwünscht ist, dass es eine Reaktion in Form einer erträglichen Schmerzschwellung, ein Stauungsgefühl, Wärme oder Hautrötung gibt, die im Laufe der 24 Stunden abnimmt. Unerwünscht ist dagegen das Auftreten von Schmerzen in der Nacht, verbunden mit einer Rötung, Schwellung und/oder Wärme, die nach 24 Stunden zunehmen.

Bei unspezifischen Beschwerden kann eine Struktur nicht eindeutig identifiziert werden. Für einen erfolgreichen Therapieverlauf ist das jedoch nicht notwendig.

Die Perspektive der Medizin

Die Diagnose des Arztes kann einer von drei Gruppen zugeordnet werden:

  • Gruppe 1: Es gibt Beschwerden und Einschränkungen des Bewegungsumfangs
  • Gruppe 2: Es gibt Beschwerden und Schmerzen bei der Bewegung
  • Gruppe 3: Es gibt Beschwerden aber keine Einschränkung des Bewegungsumfangs
Die Diagnose wird nach dem Schmerztypus (unspezifisch, mild spezifisch, spezifisch) weiter differenziert.

Was verursacht die Schmerzen?

Die Ursache der Schmerzen ist eine zu hohe oder zu niedrige Belastung. Im Fall einer zu hohen Belastung muss geklärt werden, ob es ein Trauma im Gewebe gibt. Ein Trauma kann durch eine „komische“ Bewegung, eine zu große Krafteinwirkung von außen oder durch wiederholte Überschreitung der lokalen Belastbarkeit hervorgerufen werden. Bei zu niedriger Belastung ist kein klares Trauma vorhanden. Hier gilt es, fünf Faktoren zu überprüfen, die eine Genesung behindern können:

  • Systemerkrankungen
  • Negativer Stress
  • Nicht angepasstes Haltungs- und Bewegungsverhalten
  • Dispositionen
  • Mechanische Behinderung der Durchblutung
In der Regel ist ein Zusammenspiel mehrerer dieser Faktoren dafür verantwortlich, dass die Schmerzen bestehen bleiben. Physiotherapeut und Patient nehmen die Analyse gemeinsam vor, um die Ursache der Beschwerden auszumachen. Anhand der Eimermetapher kann das Therapieprinzip verdeutlicht werden: Man stellt sich vor, die fünf genannten Faktoren füllen einen Eimer. Dieser Eimer symbolisiert die Gesamtbelastbarkeit des Patienten. Gelingt es, einen der Faktoren zu minimieren, sinkt der Pegel im Eimer. Dann kann der Regenerationsprozess angeregt werden. Die Eimermetapher verdeutlicht, wie komplex das Verhältnis von Ursache und Wirkung sein kann. Faktoren aus sehr verschiedenen Bereichen können für Schmerzen und Beschwerden verantwortlich sein. Eine effiziente Therapie muss das berücksichtigen, um die Lebensqualität des Patienten aufrechtzuerhalten.

Wie lange halten die Schmerzen an?

Die Beantwortung dieser Frage wird durch die Rasenmetapher illustriert: Will man einen gesunden und kräftigen Rasen aufziehen, benötigt man Geduld, Pflege und Zeit. Ein gutes und nachhaltiges Ergebnis stellt sich leider nicht über Nacht ein. Im übertragenen Sinn bedeutet das: Der Therapeut unterstützt den Patienten und gibt Empfehlungen, welche Ruhemaßnahmen und welches Belastungspensum zum jeweiligen Zeitpunkt sinnvoll sind. Geht der Patient aufmerksam mit sich um, kann er seinen Aktivitäten in eingeschränktem Maß wieder nachgehen. Mit der Zeit können die Umfänge der Belastung gesteigert werden und Fortschritte werden sichtbar. Die positive Entwicklung steigert das Wohlbefinden des Patienten spürbar. Bis zu einer vollständigen Wiederherstellung und der Möglichkeit zur intensiven Belastung braucht es aber etwas Zeit. Der Patient erkennt aber schon früher, dass er auf einem guten Weg ist.

Was kann ich selbstständig gegen meine Beschwerden tun?

Die Eimermetapher zeigt an, welche Faktoren zu Ihren Schmerzen beitragen:
  • Systemerkrankungen
  • Negativer Stress
  • Nicht angepasstes Haltungs- und Bewegungsverhalten
  • Dispositionen
  • Mechanische Beeinträchtigung der Durchblutung
Systemerkrankungen und eine mechanische Beeinträchtigung der Durchblutung können nicht besonders beeinflusst werden. Der Physiotherapeut kann auf Dispositionen oder Fehlstellungen einwirken. Die Faktoren negativer Stress und nicht angepasstes Haltungs- und Bewegungsverhalten erfordern eine Rücksprache mit dem Physiotherapeuten und können von Ihnen selbst beeinflusst werden.

Was sind die Folgen der Schmerzen?

In der Regel sind die Beschwerden bereits durch kleinere Anpassungen im Alltagsleben wie Schlafhygiene, dosierter Bewegung und funktionellen Übungen nach absehbarer Zeit unter Kontrolle. Der Physiotherapeut hilft Ihnen bei der Umsetzung. Diese Regeln sind zu dabei zu beachten:
  1. Handelt es sich um unspezifische oder milde Schmerzen, sind Operationen oder Injektionen prinzipiell nicht nötig
  2. 2. Bei ernsthaft spezifischen Schmerzen sind medizinische Eingriffe häufig erforderlich

Daneben gibt es einige grundsätzliche Dinge, die immer und für alle Patienten wichtig sind:
  • Ohne die Geduld, den natürlichen Regenerationsprozess abzuwarten, ist eine vollständige Genesung nicht möglich.
  • Chronische Unzufriedenheit in wichtigen Lebensbereichen wie dem Beruf oder dem Privatleben lässt die Beschwerden andauern, auch wenn die Schädigung eigentlich ausheilen könnte.
  • Eine Operation kann die benötigte Pause von den belastenden Alltagssituationen bringen. Allerdings gibt es inzwischen Hinweise, dass der entscheidende Impuls für die Heilung auf die Ruhezeit nach der OP zurückzuführen ist und keine direkte Folge des Eingriffs ist. Für Gelenkspiegelungen ist dies beispielsweise nachgewiesen.

Foto Carlos Mendes

Carlos Mendes

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Ivan Golovko